Eiweißversorgung bei Krebsleiden

Krebserkrankte haben oft mit einem unerwünschten Gewichtsverlust zu kämpfen. Diese Reduktion betrifft nicht nur die Körperfettmasse, sondern auch die wertvolle Muskulatur und führt damit zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität, der Leistungsfähigkeit, oft auch der Verträglichkeit und Wirksamkeit der Therapie. Folglich verschlechtert sich die Krankheitsprognose.

Die Ursachen für den Gewichtsverlust sind vielschichtig. So kann es durch therapeutische Maßnahmen aber auch durch die Tumorerkrankung selbst zu Appetitverlust, Übelkeit, Erbrechen oder Verdauungsstörungen kommen. Denn verschiedene Tumorstoffwechselprodukte wirken sich nicht nur negativ auf den Appetit, sondern auch auf den Eiweißstoffwechsel aus – mit der Folge eines erhöhten Eiweißverlustes. 

Hinzu kommen häufige Nüchternphasen wegen notwendiger Untersuchungen, eine erhöhte Inaktivität der Betroffenen, die den Muskelabbau fördert und eine oft bestehende tumorbedingte „anabole Resistenz“, die den Eiweißbedarf zusätzlich erhöht. Bei Tumoren des Verdauungstrakts führen unzureichende Nährstoff- und Energieaufnahmen oder vermehrte Nährstoffverluste außerdem zu erheblichen Gewichts- und Muskelabnahmen. 

Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Eiweißbedarf bei Krebserkrankten erhöht und der Muskelaufbau verringert ist. Und das alles bei vermindertem Appetit! Eine Herausforderung, nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für Ernährungsexperten! 

Eine angemessene Zufuhr von Eiweiß ist also für den Krankheitsverlauf und die Lebensqualität der Erkrankten entscheidend. Empfohlen wird eine Tageszufuhr von 1,2 bis 1,5 g Eiweiß je kg Körpergewicht. Das heißt, dass eine Person mit einem Körpergewicht von 60 kg mindestens 70 g Eiweiß zu sich nehmen sollte. Um diese Menge zu erreichen, müssten beispielsweise eine Portion Fleisch oder Fisch, zwei Portionen Milchprodukte oder Hülsenfrüchte, eine Portion Nüsse und zwei bis drei Portionen Getreide (Vollkornbrot, -teigwaren, Haferflocken) konsumiert werden. Für viele ist das jedoch nicht so einfach zu erreichen. 

Eine individuelle Ergänzung der Ernährung mit Trinknahrungen und Proteinprodukten kann eine sinnvolle Lösung darstellen. Ein neutrales Eiweißpulver, das inzwischen auch in größeren Supermärkten zu finden ist, kann unkompliziert in verschiedenste Speisen, wie Suppen, Saucen, Desserts oder Kaffee eingerührt werden und eine ausreichende Eiweißversorgung unterstützen. Mehrere kleine Mahlzeiten mit verschiedenen Eiweißquellen erhöhen zudem die Eiweißqualität und sind ebenso vorteilhaft. 

Nicht unerwähnt sollte sein, dass eine tägliche körperliche Aktivität als integraler Bestandteil der multimodalen Therapie in diesem Kontext eine entzündungshemmende Wirkung hat und dem Muskelabbau entgegenwirken kann.

Mit einem maßgeschneidertem Ernährungsmanagement kann also trotz all der Schwierigkeiten der erhöhte Eiweißbedarf gedeckt und die Erkrankung positiv beeinflusst werden.